Achim Mohné (DE)

INTERVIEW / BRIEFWECHSEL
mit dem Medienkünstler Achim Mohné,
geboren 1967 in Aachen; Studium an der Folkwang Universität der Künste in Essen und der KHM Köln; Gastprofessuren u.a. an der Kunstakademie Münster, Folkwang Universität der Künste Essen, Indiana University, Bloomington und an der ETH Zürich. Seit dem Wintersemester 2021 lehrt er an der FH Dortmund.

Lieber Achim Mohné,

seit ich im Frühjahr 2021 meine Lehre an der Bauhaus Universität begonnen habe, bin ich in meinen Kursen zur Konzeption der Fotografie immer wieder auf Sie und Ihre Arbeit zu sprechen gekommen. Glücklicherweise konnte ich Sie dazu gewinnen, im Format der „Bauhaus Masters Lecture“ einen Vortrag für alle Universitätsmitglieder zu geben, um einen tieferen Einblick in Ihre interdisziplinäre Arbeit und die zahlreichen kollektiven Projekte zu vermitteln.

Im Projektmodul „Portrait im Wandel“ des Wintersemesters habe ich ihr Werk „0,000627 Megapixel — Citizen to be seen from mars“1 herangezogen, um den Studenten das Spektrum möglicher Strategien mit Fotobildern veranschaulichen zu können. Es geht mir in der Lehre u.a. darum, das experimentelle Arbeiten mit der Fotografie zu fördern und das apparative Spielfeld bezogen auf die „analogitalen“ Möglichkeiten zu erweitern. Das Werk „0,000627 Megapixel“ beinhaltet eine ganze Reihe medialer Strategien, die eben jene spielerischen Möglichkeiten beispielhaft veranschaulichen.

Hier soll kurz der Prozess zusammengefasst werden, bei dem Sie ein digitales Portraitbild in den Materialzustand einer Bodeninstallation im öffentlichen Raum überführen:
Dabei wird ein farbiger Screenshot (aus dem Dokumentarfilm CITIZENFOUR) in ein grobes schwarz-weiß Pixel-Bild umgewandelt. Ein digitaler Vorgang mit Fremdmaterial also, das im Internet gefunden und per Tastenkombination von Ihnen ausgewählt wurde. Das Original zeigt Edward Snowden im Interview mit Laura Poitras. Im Making Off Video auf Ihrer Webseite veranschaulichen Sie wunderbar Ihre Methode, bei dem das digital gewandelte Pixelbild in eine Skizze für ein Mosaik aus 10 unterschiedlichen Graustufen übertragen wird. Die Skizze bildet die Grundlage für die Bodeninstallation aus 672 quadratischen Bodenplatten, die dann im letzten Schritt jeweils in den verschiedenen Graustufen lackiert wurden.

Es liegt in der Natur grober Pixelbilder, dass sie in der Verkleinerung am Monitor besser zu erkennen sind als in der Vergrößerung. Auf den öffentlichen Raum übertragen bedeutet das, dass man derartig fragmentierte Bilder erst aus der Distanz erkennen und deuten kann. Da man die nötige Distanz zu ihrer Installation allerdings nicht physisch einzunehmen vermag, muss wiederum eine digitale Technik der Visualisierung herangezogen werden, um Ihr ausgesuchtes Portraitbild erkennbar abzubilden. Dazu kann ein Drohnenflug mit Kamera verhelfen oder aber die Nutzung der Plattform Google Earth, die sich im Durchschnitt alle 3-5 Jahre (mindestens partiell) aktualisiert.
Bereits in früheren Projekten, haben Sie mit jener Möglichkeit kalkuliert, künstlerische Botschaften an Informationsträger wie Google Earth/Street View zurückzuspielen. Besonders im Fall des Portraits von Edward Snowden muss dieses Vorgehen als eine politische Geste verstanden werden und so stellt sich die Frage, ob die Software des US-amerikanischen Unternehmens diese Visualisierung rechnerisch wie intentional integriert oder aber ausmustert bzw. zensiert.

Zensur und Datenschutz sind Themenbereiche, die in Bezug auf das Unternehmen Google nicht in einem Satz geklärt werden können. Die Software integriert Satellitenbilder von externen Anbietern, die zum Teil schon vor dem Ankauf verpixelt wurden. In diesem Fall liegt die Zensur (z.B. von sensiblen Orten und Gebäuden) bei den Sicherheitsbehörden jeweiliger Länder. Zudem hat jedes Land der Welt seine eigene Datenschutzvereinbarung bezogen auf hochauflösende Daten die Google Street View aufnehmen und bereitstellen will. Lediglich Gesichter und Autokennzeichen werden grundsätzlich vor der Veröffentlichung im Netz durch einen Algorithmus gefiltert und weichgezeichnet.
Als Sie 2017 eingeladen wurden die Arbeit „0,000627 Megapixel — Citizen to be seen from mars“ anlässlich der Ausstellung „Luther & die Avantgarde“ in Wittenberg/Sachsen-Anhalt zu installieren, spielte also neben der Erfahrung mit der Installation im öffentlichen Gelände auch die Vorfreude auf eine Abbildung im Netz eine wichtige Rolle.

Doch zu dieser ist es scheinbar nicht gekommen. Zumindest läßt der aktuelle Aufruf des Ortes der Installation kein Bild davon erkennen. Natürlich möchte ich unbedingt und möglichst genau wissen, welche Umstände dazu führten, dass sich die Visualisierung der Arbeit mithilfe von Google nicht mehr realisieren lässt.
Und als Fan der Arbeit möchte ich auch danach fragen, ob es nicht eine weitere Strategie der Verbreitung braucht um dieses Ziel zu erreichen. Ob es also vorstellbar wäre dazu Unterstützer und Privatpersonen in die Prozesse der Visualisierung Ihres Portraits von Edward Snowden auf Google einzubeziehen?

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Liebe Birgit Wudtke,

Sie haben Recht, zwischen dem alten Gefängnis und dem Amtsgericht in Wittenberg sind auf Google Earth momentan nur noch „Ruinen“ der Bodenarbeit sichtbar. Wie Sie sagen, besteht die Arbeit aus 672 in unterschiedlichen Grautönen angemalten Bodenplatten, was einer Kameraauflösung von 0,000672 Megapixel entspricht. Selbst eine so schlechte Auflösung reicht völlig aus, um die Person zu identifizieren. Im aktuellen update kann man das Konterfei des berühmten Whistleblowers nicht mehr wirklich erkennen, ganz schwach scheinen die Quadrate noch unter einer Wiese durch. Kein Wunder: Die Bodenarbeit wurde nicht gepflegt und liegt nun seit fünf Jahren im städtischen Außenraum liegt. Aber es gibt auch heute im Netz und den virtuellen Globen diverse Abbildungen der intakten Arbeit, im Apple-Maps-Kartensystem ist sie noch sichtbar, ebenso bei Bing und andern. Bei Google Earth wurde das Bild zu vier verschiedenen Zeiten (2017, 2019, 2020 und 2021) vom Satelliten dokumentiert. Es ist möglich dies durch den time-slider im Programm von GE direkt nachzuvollziehen, symbolisiert durch eine Uhr im oberen Reiter. Dabei kann man gut nachvollziehen, wie die Arbeit mehr und mehr verschwindet. Das früheste Bild ist ziemlich schön, da ein Baum direkt neben der Bodenarbeit in voller Blüte steht; aus der Vogelperspektive scheint es, als ob sich Edward Snowden im „Gebüsch versteckt“. Das zweite Update ist das eindeutigste, fast so präzise, als sei es digital manipuliert, man glaubt kaum, dass das Pixelfoto wirklich vor Ort installiert ist. Bei dem dritten update, erfolgt im dritten Jahr nach der Installation, tritt bereits eine gewisse (fotografische) Unschärfe auf, welche der Verunreinigung der Platten, unter anderem durch Blätter, Erde und Vogelkot geschuldet ist. Auf Ihre Frage zurückkommend, sehe ich das Grundkonzept, nämlich die Verbreitung und Sichtbarmachung durch GE, als eine parasitäre Strategie, also durchaus als erfolgreich an.

Installation Achim Mohné / Wittenberg / Source: Google Earth 2017
Installation Achim Mohné / Wittenberg / Source: Google Earth 2020

Zum heutigen Zustand kann ich sagen: Man hat willentlich im wortwörtlichen Sinne „Gras über die Sache wachsen lassen. Vom Amtsgericht Wittenberg, dem direkten Nachbar, war das Projekt von Anfang an nicht gewünscht, konnte aber dennoch auf Grund der Ausdauer der Kuratoren umgesetzt werden. Der Verbleib des Kunstwerkes war als „offen“ verhandelt worden, unschön war, dass ich im Dezember 2021 erfuhr, dass es, ohne mich in Kenntnis zu setzen, abgebaut wurde. Nun liegt es demontiert und wartet auf ein neues Zuhause. Es wird nun in diesem Jahr in ein Gymnasium in Wittenberg verlegt, aus Anlass des 500ten Jubiläumsjahres der Erfindung des Buchdruckes, bzw. der ersten gedruckten Bibel. Die Arbeit hat ohne Frage die Wittenberger*innen polarisiert, denn nachdem die Räumung der Betonplatten von einige Gegner*innen (im Amtsgericht) erreicht wurde, formierte sich schnell eine Bürgerinitiative zum Erhalt des Kunstwerkes, nun auch mit Unterstützung des OB, der sich dafür einsetzt, dass der berühmte Whistleblower auch weiterhin in der Stadt präsent ist. Ich freue mich, dass meine ursprüngliche Idee, Snowden als eine Art „zeitgemäßen Luther“ für die „Lutherstadt Wittenberg“ vorzuschlagen, in der Bevölkerung Akzeptanz und Identifikation gefunden hat, denn es gibt diverse Parallelen zwischen den beiden Systemkritikern. Darüber hinaus haben die Wittenberger Bürger gesehen, dass die Arbeit nur interessant bleibt, wenn sie weiterhin für die Satelliten sichtbar ist, die Visualisierung durch Google nur so erfolgen kann. Das Kunstwerk, bleibt für mich nur so lange lebendig, wie es der Beobachtung durch die neuen Sehmaschinen auch ausgesetzt ist.

Was Ihre Frage der weiteren Verbreitungsmöglichkeiten über die Bodenarbeit hinaus betrifft, bin ich bisher nicht aktiv gewesen, denn dies birgt für mich die Gefahr einer Verwässerung des Konzepts. Ich möchte hier nicht nur Kunstpublikum erreichen, will die Kunst-Informations-Blase verlassen, indem ich einen neuen „öffentlichen Raum“, nämlich die virtuellen Globen nutze, vergleichbar dem Prinzip von Graffiti, welches urbane Landschaft als Sprachrohr nutzt. Als Künstler installiere und investiere ich nicht in einem Galerieraum, bewacht und vertraglich abgesichert, sondern gebe die Kontrolle aus der Hand, die Rezeption des Werkes lässt sich nicht auf die übliche, determinierte Weise steuern. Ein Risiko auf der einen Seite, ein Gewinn der Erkenntnis auf der anderen. Was die weitere Verbreitung anbelangt, würde ich dies also gerne sich selbst überlassen. Im Projekt REMOTEWORDS, seit 2007 mit Uta Kopp durchgeführt, ist dies teilweise gelungen. So wurde ein Stadtteil von Johannesburg nach einer Kurznachricht von Niq Mhlongo und REMOTEWORDS benannt: MABONENG (Ort des Lichtes). Dies passierte demokratisch, quasi graswurzelartig, indem das Wort von der Bevölkerung zunächst übernommen und später „offiziell“ verwendet wurde. Was mir also unbedingt wichtig ist, ist die interdisziplinäre, systemübergreifende Verbreitung, im Fall Wittenberg zum Beispiel wäre die Zusammenarbeit mit dem Whistleblower-Netzwerk zu nennen oder die Patenschaft der Arbeit an einem Platz in Dresden, der nach Snowden benannt wurde. Diese Aspekte sehe ich als immanent wichtig an, dagegen interessiert mich die Verbreitung in der der Kunstkritik oder dessen Diskurs manchmal sogar weniger.

REMOTEWORDS / Uta Kopp und Achim Mohné / RW.17 KuKuK e.V. Aachen Raeren 2013

Die von Ihnen angesprochene mediale Zwischenschaltung des System Google Earth, welche als Informationsträger für die künstlerische Aussage fungiert, wird in meinen aktuellen Projekten weitergetrieben. Das bezieht sich die letzten Jahre vor allem auf 3D, eine neue Dimension der Immersion, aus der sich immer wieder neue Fragestellungen ergeben:

Wie sehen wir den öffentlichen Raum durch die Augen von Google Earth? Wie verändern sich Kunstwerke im öffentlichen Raum durch das Satellitenauge gesehen und durch Algorithmen simuliert? Wie verändert sich unser Wahrnehmung von Natur durch die Darstellung von Natur innerhalb der virtuellen Globen? Wie verändert sich die Ansicht der Städte, wenn diese virtuell erlaufen werden?

Google Earth ist ja nichts anderes als eine Simulation der dreidimensionalen Welt, konstruiert durch eine KI, die Satellitenfotos und geometrische Vermessung übereinbringt. Ich nehme Teile dieser Bildschirm-3D-Welt und transferiere ihre Zweidimensionalität in skulpturale Objekte zurück. Das können Modelle im Maßstab 1:100 sein, wie bei den Städteansichten, aber auch Skulpturen, die genauso groß sind, wie ihre „Vorbilder“ in GE, also im Maßstab 1:1. Virtuelle Welt wird in den Realen Lebensraum zurückgeholt: From realty to virtuality back to reality.

Ein Bespiel dafür ist das aktuelle Projekt „Low_Poly_Tree“. Es stellt das Konterfei eines jungen Baumes dar, der aus ca. 300 Polygonen besteht und als Stahlskulptur mit den Maßen 2,5 x 1,4 x 1,3 m neben dem Baum steht, der ihm bei GE-Vorbild als Vorbild gedient hat. Seine Oberfläche spiegelt die Umgebung, somit den jungen Baum im gegenüber. Wichtig ist mir hier: Der immaterielle Algorithmus, der diesen Baum „erschaffen“ hat, ist hier sozusagen materialisiert. Erst durch den Rück-Transfer von 2D auf 3D (vom Bildschirm zum Objekt) wird die Absurdität der Simulation wahrnehmbar.

Low_Poly_Tree / Achim Mohné / Environment and Art Award / Kummer Vanotti Stiftung 2021

Es handelt sich also um einen komplexen intermedialen Prozess:
Google vermisst und fotografiert unsere Städte (ohne uns zu fragen) und erschafft ein Computerspiel (namens Google Earth) das uns eine dreidimensionale Welt vorgaukelt. Erreicht wird dies durch das oben beschrieben Verfahren der Tiefenerfassung (Lidar). Ich arbeite mit Photogrammetrie: Die Google-Bilder werden von mir wiederum in Einzelbilder zerlegt und durch das photogrammetrische Verfahren wieder zu neuen Räumen zusammengesetzt, die dann dreidimensional gedruckt werden. Ich arbeite also nicht mit den Google Daten direkt, sondern mit deren Bildern. Wie beim Snowden-Projekt auch, ist das Zurückholen, das Wieder-Aneignen der Google Informationen für mich wichtig, Auch hier handelt es sich um eine Umnutzung des System Google. Dabei versuche ich durch das händische Prinzip (screenshots) das Copyright von Google zu unterlaufen, gleichsam das Medium zu benutzen und zu kritisieren.

Autobahn / Achim Mohné / Informationsfilme zur politischen Bildung / A4 Videoseries 2021
3D GOOGLE EARTH MODEL # 17 / Achim Mohné / ZKM Karlsruhe 2022 (in progress)

Oft stelle ich diese Stadtmodelle in verschiedenen Medien gleichzeitig dar.
Zur Biennale de L’Image Tangible in Paris konnten die Besucher*innen das Venue, das Atelier Basfroid, als Modell im Massstab 1:200, als 4K-Video, das ein Durchwandern der umliegenden Straßen simulierte erleben, bzw., wenn nicht gerade in Paris, als Mozilla Raum virtuell begehen. Gleichzeitig konnten durch einen QR-Code, der als Link diente, sowohl die Besucher*innen im Ausstellungsraum, als auch die Besucher*innen von außerhalb sich im virtuelle Raum desselben Modells treffen und kommunizieren. Ein Stück Paris war also als Skulptur, Video und VR gleichsam erlebbar, alles bestimmt vom Algorithmus und den dazugehörigen Glitches.

Weitere Formen der Erfassung von Google Earth 3D-Räumen bilden die sogenannten „Informationsfilme zur politischen Bildung “, kurze Videos, die politisch und ökologisch brisante Orte, wie den Hambacher Tagebau oder das von ihm versorgte Kraftwerk „Niederaußem“ thematisieren. Es handelt sich hier um Gebiete, die man in USA so schön als „area-51“ bezeichnet, also verbotene Orte, deren Zugang ich durch die Modelle zumindest virtuell ermögliche. Sie dienen auch als Agora, als Versammlungsplatz und Kommunikationsort, besonders um über die Thematiken und Probleme zu sprechen, die Ihre Existenz ja erst auslösen.

Die Begehungen werden videografisch umgesetzt und mit informativen Texten verbunden, welche von NGOs, Greenpeace, dem NABU und ähnlichen verlässlichen Quellen stammen. Künstlerisch hat mich die typische 3D-Ästhetik gereizt, welche zurzeit noch eindeutig der „Phantasiewelt des Gaming“ zugeordnet wird. In den Videos wird diese aber mit politischen und ökologischen „hard facts“ kombiniert, dadurch „dokumentarisch“ und somit in keinem Genre verortbar. Zwar stellen die stark ver-glitchten Welten hier eindeutig einen Gegenentwurf zum fotografischen Dokumentarismus dar, welcher Authentizität für sich beansprucht, beruhen letztendlich aber genau darauf. Somit ist die Photogrammetrie, nach dessen Verfahren hier gearbeitet wird, eindeutig ein Kind der Fotografie, die gleichsam wahrhaftig und verlogen ist.

Der Wolf vom Königsforst und das Mädchen / Achim Mohné / VR Multimedia Installation
Mozilla Hubs 2021

In dem Projekt „Der Wolf vom Königsforst und das Mädchen“ versuche ich eine ähnliche Vermischung von Doku und Fiktion: Es ist ein virtueller Wald, der Kölner Königsforst, ebenfalls aus Google Daten generiert. Im realen Königsforst wurde vor einem Jahr tatsächlich ein Wolf gesichtet. Der virtuelle Wolf wurde in Form eines historischen Spielzeuges, einer Elastolin-Figur in das Setting integriert, ebenso wie das „Rotkäppchen“. Die Figuren wurden im photogrammetrischen Verfahren als 3D Modell generiert. Die User*innen laufen durch den Wald und bekommen Informationen zur Wiederansiedlung der Wölfe, aber auch abstruse Varianten des Märchens von Rotkäppchen, sowie die Theorien von Freud zu hören. Die Texte, die von Avataren gelesen werden, stammen, ähnlich wie bei den weiter oben erwähnten Kurzfilmen von authentischen Quellen, wie dem vom Landesamt für Naturschutz oder sind Auszüge aus zu psychologischen Aufsätzen.
In der Mitte des Waldes gibt es eine Lichtung, wo sich Wolf und Mädchen gegenüberstehen. Im weiteren Verlauf wird die „Moral von der Geschichte“, charakteristisch für Märchen, verkündet. Ich sehe in diesem Experiment ein Art expanded-cinema, eine Form diverse Medien, Visuals, Sounds und Narrative zusammenzubringen. Das Projekt ändert sich stetig und dient als virtuelles Labor und Spielstätte.

Ich sehe dieses Projekt als eine für mich typische Suche, mit dem Ziel mediale Syntax und Semantik fotografiebasierter Phänomene zu beleuchten. Denn es stellen sich täglich neue Herausforderungen die erweiterte Fotografie zu befragen. Es gilt digital imaging, computer based-visuals, automated-seeing-machines, nonhuman photography und viele weitere, sogenannte post-fotografische Parameter wenigstens teilweise zu verstehen, auch im wortwörtlichen Sinne zu “begreifen“. Das ist jedenfalls das, was ich mit meiner Arbeit versuche.

www.achimmohné.net
www.remotewords.net
www.darktaxa-project.net

Titelbild: 0,000627 Megapixel — Citizen to be seen from mars / Achim Mohné / Luther und die Avantgarde / Wittenberg 2017
1 https://www.achimmohné.net/0000627-megapixel-citizen-to-be-seen-from-mars-news.html, Abruf 4. Mai 2022

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