Christina Irrgang (DE)

INTERVIEW / BRIEFWECHSEL
mit Dr. Christina Irrgang, Kunst- und Medienwissenschaftlerin, Autorin und Musikerin. Dissertation und aktuelle Publikation: Hitlers Fotograf. Heinrich Hoffmann und die nationalsozialistische Bildpolitik, transcript Bielefeld 2020

Liebe Christina Irrgang,
wie man auf der Verlagsseite Ihrer aktuellen Publikation nachlesen kann, legen Sie Ihren Forschungsschwerpunkt auf „Techniken demokratischer Kommunikation und Gesprächsführung“. Sie präsentieren eine Promotionsarbeit, die sich mit dem Fotografen Heinrich Hoffmann und seinen Propaganda-Bildbänden als Teil der nationalsozialistischen (Bild-)Politik auseinandersetzt. Da Sie sich dieser Forschungsarbeit nicht als Kunsthistorikerin sondern als Kunst- und Medienwissenschaftlerin gewidmet haben, interessiert es mich zunächst zu fragen, warum Sie hier eine Thematik des 20 Jh. der einer aktuellen, des 21. Jh. vorgezogen haben? Welche Situation gab Ihnen den Anlass, sich mit einer Figur wie Heinrich Hoffmann zu beschäftigen? Welche Frage hat Sie dazu motiviert, sich mit seiner Fotografie auseinanderzusetzen? Und welche neue Perspektive wirft Ihre Untersuchung auf aktuelle politische Situationen?
Wie würden sie den Begriff „Propaganda“ bezogen auf die Bildpolitik definieren und in welchem Verhältnis steht hier „Propaganda“ zu „Werbung“ oder „fake news“?

Liebe Birgit Wudtke,
zunächst einmal möchte ich mich für Ihr Interesse an meinem Buch bedanken, auf das Sie bereits kurz nach der Publikation aufmerksam geworden sind!
Der Anlass, mich mit nationalsozialistischer Bildpolitik zu befassen, war ein Seminarangebot meines ehemaligen Professors und dann auch späteren Doktorvaters Wolfgang Ullrich, das ich im Wintersemester 2007/08 an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe besucht habe: Es hieß „Syntax der Bilder“. Im Kontext dieses Seminars im Fachbereich Kunstwissenschaft und Medientheorie haben wir anhand ausgewählter Beispiele vom 18. bis zum 21. Jahrhundert die Wirkung von Bildern im Plural analysiert. Dabei sprachen wir einerseits über künstlerische und kunstkritische Bildsequenzen wie bei William Hogarth, Hanne Darboven oder Cindy Sherman, aber auch über „Hitlers Fotografen“ Heinrich Hoffmann. Im Verlauf meiner Schulzeit hatte ich trotz facettenreicher Vermittlung nur selten ein Begreifen entwickeln können, was mit (Foto-)Propaganda im nationalsozialistischen System gemeint war, deshalb interessierte ich mich sogleich für diese Thematik. Im Titel des Seminars ist dabei auch schon die Methodik inbegriffen gewesen, ging es hier primär um die Betrachtung von Narrativen. Zu dieser Zeit – und auch noch Jahre später! – war es die Publikation „Hoffmann & Hitler – Fotografie als Medium des Führer-Mythos“ (1994) von Rudolf Herz, die grundlegende Forschungsansätze zu Hoffmann lieferte.1 Da ich im Jahr 2007 häufiger die Staatsbibliothek zu Berlin besuchte, begann ich dort in den Beständen nach Heinrich Hoffmann zu recherchieren, und entdeckte eine Vielzahl an propagandistischen fotografischen Bildbänden mit Adolf Hitler als Motiv, angelegt im Stil des Fotoromans: „Hitler, wie ihn keiner kennt“, „Hitler in seinen Bergen“, „Hitler abseits vom Alltag“… Zwar hatte Herz in seinem Buch solche Bildbände beschrieben, doch sie zu sehen, hat für mich alles verändert.

Ich erinnere mich insbesondere an ein Sichtungserlebnis, das mich nachhaltig beeinflusst hat: Das war der Bildband „Jugend um Hitler“2, bei dem für mich damals das narrative Bild-Text-Arrangement die eindrücklichste Wirkung hatte – eine propagandistische Botschaft, die bis heute eine subtile Schärfe hat und mich das Erlebnis von strategisch angelegter Bildpropaganda verstehen ließ … durch eine unmittelbar emotionsgebundene Botschaft, die sich ehedem an Kinder und Jugendliche richtete und die noch in jenem Moment, in dem ich in dem Buch fassungslos las, das Funktionieren ihrer Wirkkraft bestätigte. „Jugend um Hitler“, worauf ich gleich nochmals eingehen werde, war schließlich der Motor, mich mit einer ganzen Reihe solcher fotografischer Bildbände der Firma Heinrich Hoffmann über Jahre hinweg zu befassen: zunächst durch ein Referat und eine Hausarbeit im Rahmen von „Syntax der Bilder“, dann mit einer Magisterarbeit über Hoffmanns Bildstrategien, schließlich durch eine Promotion über Hoffmanns Bildindustrie, welche nun im transcript Verlag unter dem Titel „Hitlers Fotograf – Heinrich Hoffmann und die nationalsozialistische Bildpolitik“ erschienen ist. Alle Projekte wurden von Wolfgang Ullrich begleitet, wofür ich ihm danke, so auch dem Literaturwissenschaftler und Fototheoretiker Bernd Stiegler, der schließlich ebenfalls meine Dissertationsschrift betreut hat. Mein Ansatz sowohl in der Magisterarbeit als auch im nun vorgelegten Buch ist die mediananalytische Beobachtung, die ich auch als „bild-kontextuelle Analyse“ bezeichnet habe. Das bedeutet, zu den (zu betrachtenden) Bildern immer auch Gegenbilder heranzuziehen, Fotografien kontextbezogen zu sehen, also in Relation zu dem Gefüge, aus dem heraus sie entstehen und extrahiert werden. Aus genau diesem Grund habe ich mich schließlich auch dazu entschieden, keine Bilder in meinem Buch zu zeigen, sondern das thematisierte Bildkonvolut nur im Ganzen durch einen Link zu einem digitalen Bildteil zugänglich zu machen.

Welche neuen Perspektiven ich durch meine Untersuchung gewonnen habe, lässt sich anhand meiner Methodik beantworten – und hier komme ich zu dem Beispiel „Jugend um Hitler“ zurück. Dieser Bildband, der erstmals 1934 erschienen ist, war einer der auflagenstärksten und weil er sich – mehr noch als andere unter Hoffmann produzierte Bildbände – durch Sujets und einfache Gestaltung in Bild und Text explizit an Kinder und Jugendliche richtete, auch einer, der am direktesten die Bezugnahme zwischen jener Zielgruppe und Adolf Hitler sowie dessen Popularität herausarbeitete. So gibt es eine ganz entscheidende Sequenz in diesem Buch, die über die Darstellung eines Mädchens, das von Hitler auf dem Berghof Erdbeeren mit Schlagsahne serviert bekommt, die Essenz des Bildbandes – nämlich Hitlers Zuwendung und Beliebtheit – markieren soll. Diese Sequenz wurde einige Auflagen sowie Jahre später aber aus dem Bildband entfernt und durch eine solche mit einem anderen Mädchen ausgetauscht. Der Grund hierfür war, dass innerhalb der nationalsozialistischen Regierung eine Kontroverse darüber entfachte, da Bernile Nienau – das zuvor noch bevorzugte Kind, das mit Hitler Erdbeeren und Schlagsahne essen durfte – nach den Nürnberger Gesetzen als nicht arisch galt. Durch das Sichten von fotografischen Kontaktbögen in den National Archives in Washington D.C., wo ein Großteil aus den ehemaligen Beständen der Firma Hoffmann (als durch die Alliierten konfisziertes Material) lagert und das mitunter überhaupt noch nicht bestimmt worden ist, konnte ich herausfinden, dass im Kontext dieser Kontroverse ein ganzes Fotoshooting mit einem anderen Mädchen arrangiert wurde. Die Recherchen wiederum im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde lassen die Ursache dieser Handlungsabfolgen deutlich werden und – im Abgleich mit der Sichtung der unterschiedlichen Auflagen und Ausgaben des Bildbandes – den Zeitpunkt eingrenzen, zu welchem die entsprechende Sequenz dann in Hoffmanns Bildbänden ausgetauscht wurde.

Dies ist ein Beispiel unter vielen, doch ein sehr prägnantes, wie ich finde, wodurch erkennbar wird, wie wesentlich es ist, gerade im Kontext von fotografischer Bildpropaganda vom Material auszugehen. Das heißt konkret: Quellen zu sichten, verschiedene Auflagen von Publikationen heranzuziehen, Archivbestände zu konsultieren, Kontaktbögen und fotografische Abfolgen sowie Ausschnitte als auch Retusche genau zu betrachten … also den Entstehungs- und Verwertungskontext gleichermaßen zu berücksichtigen, um den Blick für Manipulationsspektren in Bezug auf Propaganda und Bildpolitik zu weiten und zu erfassen.
Dass fotografische und filmische Bilder manipuliert werden, ist heute kein Geheimnis mehr. In den 1920er- und 1930er-Jahren hatte dies mit der relativen Neuheit des fotografischen Bildes in der visuellen Kommunikation eine ganz andere Bedeutung und Tragweite. Mein Buch beleuchtet diese Entwicklung und die Popularität des Mediums Fotografie, von der vor allem in der nationalsozialistischen Politik äußerst strategisch und zielführend Gebrauch gemacht worden ist. Hoffmanns Bildbände haben sogar die faschistische Propaganda dahingehend beeinflusst, dass im Zuge von Hitlers Staatsbesuch in Italien im Mai 1938 auch Mussolini der fotografischen „Bildberichterstattung“ mehr Bedeutung einräumte und so auch mehr fotografische faschistische Druckwerke in Italien entstanden sind. Politische Narrative durch Bild-Text-Gefüge zu erzeugen, dafür hat Hoffmanns Produktpalette in jedem Fall ein einflussreiches „Vorbild“ geliefert. Dies lässt sich weltweit betrachtet auch in demokratischen Systemen bis in die 2000er-Jahre nachvollziehen. Ein Umschwung lässt sich mit dem verstärkten Aufkommen von Social Media beobachten, die ihrer Struktur nach ähnlich sind, doch medial ganz anders funktionieren.

An dieser Stelle möchte ich auch zu Ihrer Frage zum Verhältnis von Bildpropaganda, wie ich sie in meinem Buch behandelt habe, und dem aktuellen Begriff der „Fake News“ kommen: Die Autorin Petra Ramsauer hat „Fake News“ wie ich finde sehr treffend umfasst, indem sie schreibt, dass es diffuse Ängste sind, die ein gefährliches Einfallstor für „Fake News“ bieten, die wiederum „bequeme Auswege aufzeigen oder Sündenböcke identifizieren.“3
Grundlegend finde ich es schwierig, die heutigen „Fake News“ mit einer solchen Propaganda, wie sie durch das Unternehmen Heinrich Hoffmann etabliert wurde, zu vergleichen. Heinrich Hoffmanns Unternehmen war eine Bildindustrie, die maßgeblich vom nationalsozialistischen System getragen und begünstigt wurde; das Spektrum der Produktion ist von fotografischen Postkarten über Fotobildbände sowie stereofotografische Bildbände bis hin zu Reproduktionen von nationalsozialistischer Kunst breit angelegt gewesen. Hoffmann fotografierte selbst schon in den 1920er-Jahren die Mitglieder der frühen NSDAP und seine Tätigkeit weitete sich unter Berücksichtigung einer Vielzahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit enormen Gewinnen bis zum Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes aus. Adolf Hitler wurde durch Hoffmanns fotografische Bildpropaganda zu einer ikonischen Figur stilisiert.
Diese Bildstrategien waren vor allem in einer Diktatur möglich. Heute funktioniert „(Bild-)Propaganda“ ganz anders, obgleich sie auf solchen Formen, wie sie sich bei Hoffmann beobachten lassen, basiert. Die Fotografien oder Memes, durch die zum Beispiel (rechte) politische Fanatiker oder Gruppierungen in demokratischen Systemen Menschen zu beeinflussen suchen, entstehen nämlich gerade nicht aus dem politischen System heraus, sondern werden von politisierenden Gruppen selbst geschaffen. Nach wie vor ist das ein tautologisches Bildsystem: Doch während im nationalsozialistischen System jegliche Bildpropaganda dazu diente, das System von innen heraus, also hermetisch zu stärken, funktionieren heutige Bildstrategien erst durch die Summe ihrer Akteur*innen, oder aber auch durch ihre thematisch ausgerichteten Zusammenschlüsse. Von diversen „Alternativen“ bis hin zu als „quer“ Bezeichnetem: Es sind zunächst einmal die Begriffe, die ganz neu besetzt werden, und es sind heute vor allem Ich-bezogene Bilder, die ein von Egozentrismus und subjektivem Meinen geprägtes Weltbild kenntlich werden lassen, welche wiederum in ihrer Quantität nach einer gebündelten Bescheinigung des Abgebildeten suchen. Hierauf können politische Figuren, wie Donald Trump dies in seiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten tat, gezielt durch Social Media Kanäle reagieren, sie strategisch subtil durch anreizende Worte oder nur vereinzelte Bilder ergänzen, so dass ein Eindruck der Bestätigung entsteht, der wiederum zur Grundlage für Handlungsmotive und Ansichten deklariert wird. Es entsteht somit ein Referenzsystem, das nicht mehr direkt vom politischen System ausgeht, sondern von den Rezipienten dieses Systems.

Gerade umgekehrt funktionierte die Bildpropaganda unter Hoffmann im Kontext des nationalsozialistischen Systems: Hier wurden Bildinhalte aus dem System in Referenz zum System erschaffen, die immer auch ihre Rezipienten konstitutiv für das System miteinbezog. Bildnarrative gaben ein Verhalten zum „Führer“ und zum nationalsozialistischen System vor, während wir heute in visuellen politischen Welten eher die Selbstdarstellung mit dem Ziel der Selbstermächtigung sehen, wie es so auch David Begrich, Mitarbeiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e.V., Magdeburg, erkennt4: Diese Selbstermächtigung, die in der neuen – deutschen, europäischen wie auch amerikanischen – Rechten ganz bewusst mit dem Jargon Hitlers in Verbindung steht, nämlich seiner eigenen Machtergreifung durch das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933, sieht sich dadurch in einer historisch „begründeten“ Linie und damit wortwörtlich im Recht. Bilder wie jene vor dem Reichstag in Berlin vom 28. August 2020 oder zuletzt vor dem Kapitol in Washington D.C. vom 6. Januar 2021 sind deshalb für rechte Gruppierungen so wirksam und wichtig, weil sie mit ihnen ihr eigenes Handeln als ein richtiges bestätigen. Begrich benennt es so: „Diese Bilder werden auf Jahre hinaus in der extremen Rechten als Ikonen und Trophäen herumgereicht werden“, weil sie „genauso wichtig wie das Ereignis selbst [sind]“.5
Auch in der nationalsozialistischen Bildpropaganda ist das (reale) Ereignis um Hitler herum für die Erzeugung einer Bildwirklichkeit entscheidend gewesen. Hinzu kommt aber die Strategie, die sich durch das gezielte Assemblieren und Zusammenbringen von Bild und Text in thematisch ausgerichteten Bildnarrativen ausformuliert hat.
In meinem Buch wie auch in ähnlichen inhaltsverwandten Kontexten habe ich diesbezüglich gerne jene Überlegung von Hannah Arendt zitiert:

„Lügen erscheinen dem Verstand häufig viel einleuchtender und anziehender als die Wirklichkeit, weil der Lügner den großen Vorteil hat, im voraus zu wissen, was das Publikum zu hören wünscht. Er hat seine Schilderung für die Aufnahme durch die Öffentlichkeit präpariert und sorgfältig darauf geachtet, sie glaubwürdig zu machen, während die Wirklichkeit die unangenehme Angewohnheit hat, uns mit dem Unerwarteten zu konfrontieren, auf das wir nicht vorbereitet waren.”6 (Hannah Arendt)

Heutige politisierte Bildwelten wirken stärker punktuell und vor allem digital, sie stellen das Individuum scherenschnittartig als Teil eines Volksgefüges heraus, das durch eigens gewählte Attribute Zugehörigkeit und Abgrenzung markiert. Der Journalist Stefan Kornelius schreibt: „Die digitale Revolution hat Demokratien angreifbar gemacht. Was autoritäre Systeme durch Gleichschaltung der Medien und Kontrolle der Botschaften erreichen, funktioniert in der unendlichen Geschwätzigkeit des Netzes durch die Masse der Meinungen.“7 Dieser „Kakophonie der Kommunikation“ (Kornelius), die sich in einem Gefüge von Lüge und Inszenierung bewegen kann, stehen Hoffmanns Fotobildbände mit ihren inhärenten Bildstrategien derart gegenüber, dass sie viel stärker auf eine Führerfigur ausgerichtet worden sind und nicht einzig auf dem Plural der Bilder, sondern ergänzend dazu auf einer narrativen Komposition um Adolf Hitler basieren, die ehedem eine klare nationalsozialistische Lesart und Zielrichtung verfolgte. Gemein jedenfalls ist diesen wie jenen Bildern, dass sie als durchdachte politische Interventionen gelten, indem sie ideologisch zu überzeugen such(t)en.
Sie erwähnten eingangs noch die „Techniken demokratischer Kommunikation und Gesprächsführung“: Hierauf lege ich in meiner Arbeit als freie Autorin einen Schwerpunkt, und im Grunde sind diese Techniken hervorgegangen aus der Beschäftigung mit manipulativen Bildstrategien – als Gegenreaktion. Konkret bedeutet dies, dass ich zum Beispiel mit Künstler*innen in einen konzeptuellen Dialog trete, der auf der Gleichwertigkeit des Wortes basiert. Ich bringe zu einem Gespräch blanko Karteikarten mit, auf denen wir zu einem zuvor gemeinsam gewählten Thema in gleicher Anzahl Stichworte notieren, über welche wir uns anschließend unterhalten. Die Karten liegen beispielsweise verdeckt auf dem Tisch, wir decken sie nacheinander auf, und so ergibt sich auch die Abfolge der Gedanken entlang unserer gemeinsamen Handlung.
Die Arbeit an meinem Buch „Hitlers Fotograf – Heinrich Hoffmann und die nationalsozialistische Bildpolitik“ hat mich in die tiefsten Tiefen der nationalsozialistischen Politik geführt, die nicht immer etwas mit Bildpolitik zu tun hatte, wohl aber vielfach darin – als vermeintliches Korrektiv – mündete. Da es wichtig ist, die Geschehnisse im Ganzen zu begreifen, habe ich meinem Buch einen „Chor“ an Stimmen vorgelagert, das heißt Aussagen von Menschen, für welche die für sie zeitgenössische Erfahrung des Nationalsozialismus prägend gewesen ist. Diese Stimmen treten als eine Form der Zeugenschaft auf und erinnern an das Gegenbild, das für mich in jedweder Form des Erkenntnisgewinns entscheidend ist.

Herzliche Grüße,
Ihre Christina Irrgang,
Wuppertal, den 23. Januar 2021

http://text.christinairrgang.de/

1 Herz, Rudolf: Hoffmann & Hitler – Fotografie als Medium des Führer-Mythos, Ausst.kat., Münchner Stadtmuseum, Klinkhardt & Biermann, München 1994.
2 Hoffmann, Heinrich (Hg.): Jugend um Hitler, 120 Bilddokumente aus dem Leben des Führers, 1.-30. Tsd., Zeitgeschichte-Verlag, Berlin o.J. [1934].
3 Vgl. Ramsauer, Petra: Angst, Kremayr & Scheriau, Wien 2020, S. 46f.
4 Vgl. Begrich, David/Rühle, Alex: „Wie ein starker Koksrausch – Die Stürmung des Kapitols beflügelt Ultrarechte in Deutschland“ Interview: Süddeutsche Zeitung vom 13.01.2021, S. 9.
5 Vgl. ebd.
6 Arendt, Hannah: Wahrheit und Lüge in der Politik, München/Berlin 2015, S. 10.
7 Kornelius, Stefan: „Welt der Lüge“, in: Süddeutsche Zeitung vom 13.01.2021, S. 4.

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